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13. Oktober 2012:  "Musik vor unserer Zeit"


Konzert für Lure, Alphorn und andere prähistorische Instrumente. Mit Franz Schüssele, Friesenheim (Baden) und Joachim Schween. Gast: Phil Conyngham (Australien)



Vita Franz Schüssele:



Franz Schüssele, geb. in Dörlinbach/Schwarzwald, studierte Posaune, Schulmusik und Germanistik. Nach dem Studium der klassischen Musik und Tätigkeit in mehreren Jazz – Ensembles wandte er sich der originalen Volksmusik zu und gründete die Volksmusikgruppe "Gälfiäßler", die durch Rundfunk und Fernsehen bekannt und zu einem Markenzeichen für originale und originelle Volksmusik und ausgefallene, seltene Instrumente wurde. Er spielte 3 Jahre im Philharmonischen Orchester der Stadt Freiburg und erhielt dann einen Lehr- auftrag an der dortigen Pädagogischen Hochschule für Posaune und Blechbläserkammermusik. Seitdem ist er dort und an der Realschule Friesenheim als Musikerzieher und als freischaffender Musiker tätig. 1983 erlernte er autodidaktisch das Alphornspiel und komponierte in der Folgezeit eine große Anzahl von Stücken für Alphorn und allerlei mögliche und unmögliche Besetzungen, so z. B. Alphorn und Orgel, Orchester, Drehorgel, Dudelsack usw... Er veröffentlichte zahlreiche LP' s und CD' s und erhielt schon mehrere Preise. Besondere Beachtung fanden seine 1984 komponierte und auf LP aufgenommene "Messe für Chor und Alphörner" und sein 2000 erschienenes Buch „Alphorn und Hirtenhorn in Europa“, das inzwischen als wissenschaftliches Standardwerk dieses Genres gilt. Franz Schüssele ist als Alphornsolist und Multiinstrumentalist tätig. Im Jahr 2001 wurde er mit seiner Musikgruppe „Gälfiäßler“ als Gruppe mit den meisten Musikinstru- menten (150) ins „Guinnessbuch der Rekorde“ eingetragen. 2005 spielte die Uraufführung des „Alphornkonzertes für Symphonisches Blasorchester“ von Victor Fortin und nahm er mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg das „Alphornkonzert von Leopold Mozart“ auf. 2006 führte er dieses Werk im Fernsehn (Bayern 3, WDR u. TV Südtirol)) mit den Bamberger Symphonikern auf und war als Solist im TV S3 mit Serpent, Alp/Hirtenhorn und Singender Säge zu Gast. Neben Alphorn und Posaune spielt er seltene historische Instrumente, wie z. B. Serpent, Trumscheit (Tromba Marina) und Theremin, sowie eine Reihe von selbst erfundenen, kuriosen Instrumenten, wie z.B. Spazierstockalphorn und Büchsentrompete.



Vita Joachim Schween:



Geboren in Hamburg. Joachim Schween studierte Vor- und Frühgeschichte, Kunstgeschichte und Volkskunde in Hamburg. Seit Beginn der 1990er Jahre ist er als Archäologe für verschiedene norddeutsche Museen sowie in der Denkmalpflege wissenschaftlich tätig. Wohnhaft in Hameln, ist die Besiedlungsgeschichte des südniedersächsischen Weserberglandes einer seiner Forschungsschwerpunkte.

Aufgrund praktischer Erfahrungen im Bereich der klassischen Musik und des Jazz entwickelte Joachim Schween ein starkes Interesse an prähistorischen Musikinstrumenten aus dem nordeuropäischen Raum. Besonders intensiv setzt er sich seit einigen Jahren mit dem musikalischen Potenzial der bronzezeitlichen Luren und ihrer kulturgeschichtlichen Bedeutung auseinander. Angeregt durch die Spielweise der irischen Bronzehörner übertrug Schween die Zirkularatmung auf die Lure. Konzerte, Vorträge und musikarchäologische Experimente führten ihn u.a. nach Österreich, Schottland, Irland, Dänemark, Schweden, Polen und Litauen. Zu den außerordentlichsten Spielorten, an denen Schween die Lure bisher zum Klingen brachte, zählen die prähistorischen Grabmonumente, Steinkreise und Steintürme ('Brochs') auf den Orkney- und Shetland-Inseln und die bronzezeitlichen Felsbilder von Kalleby in Schweden, auf denen kleine Gruppen von Lurenbläsern dargestellt sind.

Joachim Schweens Klangimprovisationen auf der Lure sind Bestandteil mehrerer archäologischer Dauerausstellungen in Deutschland und waren in einer Reihe von Sonderausstellungen ("Mythos und Magie und erstes Gold in Mecklenburg-Vorpommern" im Archäologischen Landesmuseum Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin, "Der Tempel im Moor" im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover, "Gold und Kult der Bronzezeit" im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg) als Installation zu erleben. Derzeit sind sie Bestandteil der TOPOI-Ausstellung „Jenseits des Horizonts“ im Pergamonmuseum in Berlin (bis 30.9.2012) und bilden den klanglichen Rahmen der Ausstellung „Mythos Bullenheimer Berg“ im Knauf-Museum Iphofen (bis 4.11.2012).

Aus der zunächst nur als Experiment gedachten Verknüpfung der Lure mit anderen archaischen Klangerzeugern entwickelte sich eine enge musikalische Verbindung zwischen Joachim Schween und dem australischen Didgeridoo-Spieler Phil Conyngham sowie den irischen Instrumentalisten Maria und Simon O’Dwyer, Ancient Music Ireland. Einige der dabei entstandenen „Klang-Artefakte“ sind auf CD festgehalten („Mythos und Magie“ 2003; „Overtone“ 2009).

2009 und 2010 trafen Joachim Schween und Franz Schüssele und damit Lure und Alphorn während des von Rüdiger Oppermann anlässlich der „Ruhr.2010“ inszenierten Weltmusik-Projekts „Karawane 2010“ in Bochum musikalisch aufeinander. Hier entstand die Idee zu gemeinsamen Projekten, eines davon ist das nun zum Jubiläum des Hamelner Münsters stattfindende Konzert.



Vita Phil Conyngham



Phil Conyngham wuchs im australischen Outback auf. Das Didgeridoo (Yidaki)  - Instrument der nordaustralischen Ureinwohner -  erlernte er durch das Studium von Musik und Tänzen der Aborigines. Unter dem Einfluss anderer musikalischer Stilrichtigungen entwickelte er eine eigene Spieltechnik, die den traditionellen Kontext erweitert und auch westliche Ohren begeistert.

Seit über zwanzig Jahren trägt der Musiker maßgeblich zur weltweiten Popularität des Didgeridoo bei. Zahlreiche Tourneen führten Phil Conyngham nach Südostasien, China, Japan, Nordamerika, Irland, Großbritannien und auf das europäische Festland.

Sein experimenteller Umgang mit Musik berührt die Grenzen von Pop, Jazz, Folk und Dance. Neben seinen Solo-Projekten produzierte Phil Conyngham mehrere Alben mit dem irisch-australischen Ensemble "Flow" (ehemals "Reconciliation"), bei denen er auch seine Qualitäten als Studiomusiker unter Beweis stellte.

Unter Kennern der Szene wird Phil Conyngham als einer der weltweit besten Didgeridoo-Spieler gehandelt. Er lehrt Didgeridoo-Spieltechniken an internationalen Universitäten und Konservatorien. Zu seinen Schülern gehörten u.a. die Blechbläser des "BBC Ensemble Modern" oder Wallace Buchanan von Jamiroquai.

Die irischen Musiker Simon und Maria O'Dwyer (Prehistoric Music Ireland) wiesen Conyngham 1991 in das Spiel des Irish-Horn ein. Seitdem ist er einer der wenigen Spieler, die dieses Instrument aus der Bronzezeit beherrschen.


Jahreslosung 2019 "Suche Frieden und jage ihm nach!" Psalm 34,15